Kendo
Die Kämpfer gleichen zwei hungrigen Raubtieren, als sie sich umschleichen. Absolute Stille. Die Sinne sind bis zum Äußersten angespannt, die Luft ist schwer. Beide Kämpfer strahlen eine unheimliche Ruhe aus, unter den Masken Ihrer Rüstungen jedoch blitzt pure Kampfeslust hervor. Ein Schrei – ein Hieb – der Kampf ist entschieden.
Die moderne Form der alt-ehrwürdigen, japanischen Schwertkampfkunst ist mehr als eine bloße Kampfsportart. Nicht das Erlernen simpler Bewegungen und Kampftechniken steht im Vordergrund, sondern das Reifen von Körper und Geist, die Schulung von Charakter und Persönlichkeit. Der Weg (jap. „Do“), der durch das Schwert (jap. „Ken“) vorgegeben ist, hat dabei stets die Einheit von Körper, Geist und Schwert zum Ziel (jap. „Ki Ken Tai Ichi“). Im Kendo nehmen die angebrachten Verhaltensregeln (jap „Reiho“) welche den respektvollen Umgang mit dem Schwert und dem Partner Ausdruck verleihen einen besonders hohen Stellenwert ein.
Der Kendoka ist im Stil der Samurai mit einem Hosenrock („Hakama“) und einer Jacke („Gi“) gekleidet. Das klassische Kendotraining mit dem Bambusschwert („Shinai“) und der traditionellen Rüstung („Bogu“) stärkt die Ganzkörpermuskulatur und schult den präzisen Umgang mit der Übungswaffe. Heutzutage nur noch mit vergleichsweise ungefählichen Übungswaffen trainiert. Dennoch ist es für den Geist des Kendo unablässig selbst dem einfachsten und harmlosesten Übungsgerät mit dem gebührenden Respekt zu begegenen.
Im Grundlagentraining, dem Kihon, werden die drei Grundschnitte, Men (Kopf-Schnitt), Do (Bauch-Schnitt), Kote (Arm-Schnitt) sowie die Grundform des Stiches (Tsuki), geübt. Um der Absicht des Angriffs Ausdruck zu verleihen, ist es im Kendo üblich, parallel zum Angriff den Namen des jeweiligen Schnittes laut auszurufen (jap. „Kiai“). Zum Kanon des Kendo gehören auch verschiedenen Schrittetechniken, wie zum Beispiel das Okuri Ashi.
Sowohl in Einzel- („Suburi“) als auch Partnerübungen wird der Umgang mit dem Schwert und dem Übungspartner gelehrt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Wahrnehmung der Umgebung, Einhaltung des korrekten Abstands und Zanshin gelegt. Im klassischen Wettkampf („Randori“) schließlich sollen alle Prinzipien im Zweikampf getestet und angewandt werden. Beendet wird das Training wieder mit einem kurzen meditativen Ritual, in dem Körper und Geist zur Ruhe kommen.
Kendo stellt damit mehr als eine bloße Kampfkunst dar; Kendo ist eine Lebensphilosophie, deren Verschreibung den Übenden auf den Pfad der altehrwürdigen japanischen Schwertmeistern, den Samurai, wandeln lässt.






